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Zur Eröffnung der Ausstellung „Belarus lebt!“ im Pilecki-Institut am 23. Juni haben wir Mitglieder von Volny Chor eingeladen. Sie werden zunächst auf der Vernissage, am nächsten Tag dann auch auf verschiedenen Plätzen und Straßen Berlins singen.

Zur Eröffnung der Ausstellung „Belarus lebt!“ im Pilecki-Institut am 23. Juni haben wir Mitglieder von Volny Chor eingeladen. Sie werden zunächst auf der Vernissage, am nächsten Tag dann auch auf verschiedenen Plätzen und Straßen Berlins singen. Volny Chor ist eine kulturelle Protestbewegung in Belarus.

 

Sie entstand im August 2020 als Reaktion auf manipulierte Wahlen und Repressionen durch die Behörden. Einige professionelle Musiker:innen gingen auf die Treppe der Minsker Philharmonie und begannen, die spirituelle Haupthymne aller Belarusen zu singen – Magutny Bozha (Mächtiger Gott). Andere Musiker:innen und Unterstützer:innen der Proteste schlossen sich dem Chor an. Sie begannen auf der Straße , in Einkaufszentren, Bibliotheken, Bahnhöfen und anderen öffentlichen Orten aufzutreten und trugen die belarusische Hymne wie eine Flagge. Heute umfasst Volny Chor etwa 150 Menschen, die in verschiedenen Chören singen. Alle Aktivitäten sind anonym. Teilnehmende tauchen aus dem Nichts auf und verschwinden im Nirgendwo. Nicht ohne Grund: Volny Chor hat immer wieder Repressionen und Verfolgungen erlebt. Mindestens 30 Personen wurden festgenommen, der Chor wird gejagt, bei den Proben kam es zu Razzien. Trotz aller Widrigkeiten und Gefahren besteht Volny Chor jedoch noch. Er hat Anhänger:innen in verschiedenen Bezirken von Minsk und anderen belarusischen Städten. Über ihre Aktivitäten sagen die Veranstaltenden: „Wir singen – wir gewinnen!“

Weitere Events: 

Am Freitag, dem 25.06 wird um 18 Uhr am Pariser Platz 4A eine öffentliche Paneldiskussion mit den Kurator:innen und den in der Ausstellung „Belarus Lebt! ЖЫВЕ БЕЛАРУСЬ!“ gezeigten Künstler:innen stattfinden.

 

Wir möchten Sie herzlich zu einem Treffen mit Fotoreporter:innen aus Minsk und Warschau einladen, deren Arbeiten Sie bei der Ausstellung „Belarus Lebt! ЖЫВЕ БЕЛАРУСЬ!“ im Pilecki-Institut Berlin vom 23. Juni bis zum 19. September 2021 sehen können. Unsere Gäste werden über ihre Erfahrungen beim Fotografieren der Proteste und der Protestierenden berichten. Wir werden auch darüber sprechen, wo  die Grenze zwischen einem aktiven, engagierten Bürger und Journalisten verläuft – ist es möglich, unter solchen Umständen „profesionell und objektiv“ zu bleiben? Umgekehrt: Wäre es möglich, solch tiefgründige Fotos zu machen, ohne emotionales Engagement? In den letzten Jahren gab es viele Diskussionen über die treibende Kraft der Fotografie sowie über Ethik und Grenzen, die beim professionellen Fotografieren nicht überschritten werden sollten. Die Berichte der belarussischen Fotoreporter:innen stellen eine Gelegenheit dar, diese Fragen neu zu überdenken. Das Treffen findet auf Belarussisch statt und wird simultan ins Deutsche gedolmetscht.

 

Am 26.06 um 18 Uhr wird Monika Szewczyk am Pariser Platz 4A in einem öffentlichen Vortrag über ihr Buch über polnische Fotoreporterinnen erzählen – wie sie es geschafft haben, in den schroffen Verhältnissen der kommunistischen Volksrepublik in einem männerdominierten Feld erfolgreich zu sein.

Die Veranstaltung findet im Zusammenhang mit der polnischen Premiere ihres Buches „Jedyne. Nieopowiedziane historie polskich fotografek“ [Die Einzigen. Unerzählte Geschichten von polnischen Fotografinnen] statt, das Berufsbiographien von Fotografinnen vorstellt, die das Leben und die Veränderungen in Polen in den 1970er bis 1990er Jahren dokumentierten.

 

In Berlin wird Monika Szewczyk-Wittek nicht nur über Dokumentarfotografinnen referieren, sondern auch über Themen, die mit der Ausstellung „Belarus Lebt! ЖЫВЕ БЕЛАРУСЬ!“ eng zusammenhängen, wie das Dokumentieren von politischen Ereignissen, Demonstrationen und Protesten. In ihrem Vortrag wird sie ebenfalls auf wichtige gesellschaftliche Themen und Erinnerungen an die Wendezeit in Polen eingehen.

Monika Szewczyk-Wittek ist Fotoeditorin, Kuratorin und Autorin von Texten über Fotografie. Sie initiierte Unternehmungen zur Förderung von Fotografie, wie u. a. Wszyscy Jesteśmy Fotografami [Wir sind alle Fotograf:innen] – eine sehr populäre Veranstaltungsserie zum Thema Fotografie, die seit einigen Jahren in Warschau stattfindet. Sie war Leiterin des Projektes „Cyfrowy TR“ [Digitales TR], das der Archivierung und Digitalisierung der Bestände des Theaters TR Warschau gewidmet war. An der Universität Warschau lehrt sie Fotobearbeitung und Ethik in der Fotografie.

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