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Sensationelle neue Fakten nach 80 Jahren

11.12.2020

Der polnische Generalkonsul in Istanbul Wojciech Rychlewicz rettete durch die Ausstellung gefälschter Dokumente ca. 5000 Menschen aus Polen, größtenteils Juden, das Leben.

Hier der volle Artikel "The Angel from Istanbul" von Eldad Beck, welcher zu dem Thema in der israelischen Tageszeitung Israel Hayom erschienen ist: https://www.israelhayom.com/.../11/the-angel-from-istanbul/

Vor einer Woche, am 04.12, war der Jahrestag der Errichtung der Żegota, dem Rat für die Unterstützung von Juden, welche unter der Schirmherrschaft der polnischen Exilregierung agierend, tausende von polnischen Juden rettete.

Gestern hingegen war der Jahrestag der sog. "Raczynski Notiz", der erste offizielle Bericht über den Holocaust, welcher als offizielle diplomatische Notiz der polnischen Exilregierung an die Außenminister der Alliierte verschickt wurde, um die westliche Öffentlichkeit wachzurütteln.

Dank des heute in der israelischen Tageszeitung Israel Hayom veröffentlichen Artikels von Eldad Beck erblickt nun ein wichtiges weiteres Kapitel dieser Geschichte das Licht der Öffentlichkeit: Die Rettungsaktion des polnischen Generalkonsuls in Istanbul Wojciech Rychlewicz.

Woher wissen wir über die ganze Aktion? Und warum erst jetzt?

Dass dieser weiße Fleck der Geschichte nun endlich aufgearbeitet wurde und in unseren Wissenskanon über den Zweiten Weltkrieg aufgenommen werden kann, verdanken wir in erster Linie Dr. Bob Meth - einem bekannten jüdischen Aktivisten und Community Organizer in Los Angeles.

Jahrelang ließ ihn eine Frage nicht los: Wer hat im Zweiten Weltkrieg seiner Mutter, seinem Opa und anderen Verwandten gefälschte Dokumente ausgestellt und damit ihr Leben gerettet?

Die Antwort fand er schließlich in den von seiner Mutter Ellen Meth niedergeschriebenen Memoiren: die polnischen Diplomaten rund um den Generalkonsul in Istanbul Wojciech Rychlewicz waren es.

Ellen Meth wurde in Krakau geboren. Zusammen mit ihrem Vater begab sie sich 1939 auf eine Ausstellung in New York, beide kehrten wenige Wochen vor Kriegsbeginn nach Polen zurück. Zunächst im von der Sowjetunion okkupierten Lemberg verbleibend, landeten sie über Odessa schließlich in Istanbul. Das in ihren Reisepässen vermerkte US-Visum war ihnen zweifelsohne eine große Hilfe.

Ihre Mutter blieb zunächst in Polen, um ihnen später zu folgen, tragischerweise kam es jedoch anders und sie starb in Auschwitz.

Als 17-jähriges Mädchen verweilte Ellen dann in der Türkei, bis ihr Visum fast abgelaufen war. Die Situation schien ausweglos, da zu diesem Zeitpunkt keine Länder mehr jüdische Flüchtlinge aufnahmen. Sie gingen von Konsulat zu Konsulat, wurden von einem Amt zum nächsten geschickt, füllten hunderte von schriftlichen Anträgen aus ... nichts!

Doch dann überkam sie ein leichter Anflug von Hoffnung: 10.000 brasilianische Visen für Polen wurden bereitgestellt. Gewaltiger Wermutstropfen: nur für Katholiken.

Ellen Meth: "Ein Bekannter erzählte mir daraufhin, dass es da einen polnischen Generalkonsul gäbe, den ich unbedingt kennenlernen müsse. Er stellte massenweise Dokumente und Zertifikate aus, die bezeugten, dass jemand Christ ist. Wir erhielten ein solches Dokument und folglich dann auch ein brasilianisches Visum".

Dank des Visums konnten sie nun auch in andere Länder einreisen. Eine lange Reise und Flucht führte sie aus Istanbul über Damaskus, hin zu Bagdad, Bombaj bis sie schließlich in den USA ankamen. Ellen Meth lebte dort bis zu ihrem Tod 2013 in New Jersey.

Dank solcher "Schmuggelaktionen" war es möglich, etwa 5000 Menschen aus Polen, größtenteils Juden, das Leben zu retten.

Da Wojciech Rychlewski alle Dokumente der polnischen Regierung später offen darlegte und sie in den Schubladen der Botschaft hinterließ, ist klar, dass es sich um eine Aktion handelte, von der die polnischen Exilregierung wusste.

Die im Zweiten Weltkrieg neutrale Türkei wusste ebenfalls von der Aktion und warf ihr keinerlei Hürden in den Weg.

Die polnischen Diplomaten und die Exilregierung bewiesen auf diese Art und Weise, dass ihrem Handeln eine politisch-republikanische Lesart des Polentums zugrunde lag (mehr dazu: "Die historische Evolution des Polentums", https://instytutpileckiego.pl/.../die-historische...).

Die Entdeckung dieser historischen Gegebenheiten folgt der erst vor wenigen Jahren wissenschaftlich erforschten und immer noch aufgearbeiteten „Ładoś-Liste“ (https://youtu.be/ZY51nmw67rk). Man darf gespannt sein, welche unbekannten Seiten der Geschichte des Zweiten Weltrkriegs es noch zu entdecken gibt.

See also