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Die Geschichte von Wojciech Rychlewicz

30.07.2021

Jetzt in der neuen Ausgabe von Spektrum der Wissenschaft Geschichte. Wie der polnische Konsul in Istanbul es der Ładoś-Gruppe gleichtat und durch gefälschte Reisepässe jüdische Leben rettete.

Aus dem Artikel von Maria Krell: »Es scheint ein verbreitetes Muster zu sein, dass solche Geschichten vor allem durch die Suche von Privatpersonen ans Licht kommen«, sagt Monika Maniewska, Leiterin des Archivs am Pilecki-Institut in Warschau.

Gemeint ist die Recherche Bob Meths, dessen damals 17-Jährige Mutter Ellen, geb. Edwarda »Tuska« Wang, mit ihrem Vater Szymon 1940 in Istanbul gestrandet war. Ein Jahr zuvor hatte Deutschland mit dem Überfall auf Polen Europa in den Zweiten Weltkrieg gestürzt.

Ellens Mutter war in Polen zurückgeblieben, wo die Sowjets ihr die Ausreise verweigerten und sie damit den Deutschen auslieferten, die sie in Auschwitz ermordeten. Doch auch die Lage der jüdischen Geflüchteten in Istanbul war prekär.

Man wollte nur raus aus Europa, möglichst weit weg von den Deutschen. Doch die meisten Staaten verweigerten Juden die Einreise. Die brasilianische Regierung stellte tausenden Polen Einreisevisa aus, allerdings nur, wenn diese Katholiken waren.

Damit fand die zunächst aussichtslos erscheinende Suche nach Visa für Ellen und Szymon Wang ein Ende: Sie kamen auf bisher unbekannte Weise an gefälschte katholische Taufscheine, deren Gültigkeit der polnische Konsul Wojciech Rychlewicz an Eides statt bestätigte.

Über Damaskus, Bagdad und Bombay kamen sie schließlich in den USA an. Mit der Erforschung seiner ergreifenden Familiengeschichte deckte Bob Meth eine bisher völlig unbekannte Geschichte von Güte und Philanthropie in Zeiten des Schreckens auf.

Wojciech Rychlewicz rettete zahlreiche weitere jüdische Geflüchtete. Mitarbeiter des polnischen Botschafters in der Türkei, Jakub Kumoch, fanden mithilfe des Pilecki-Instituts im Nationalarchiv in Warschau Hunderte ähnliche von Wojciech Rychlewicz unterschriebene Dokumente.

Bob Meth ist überzeugt, dass er wie die Diplomaten Sempo Sugihara und Aristides de Sousa Mendes als Beispiel dafür gelten kann, wie eine einzige Person einen Unterschied machen kann.

Dieser Fall zeigt auch, wie wichtig wissenschaftliche Arbeiten dieser Art auch heute noch sind, um unentdeckte Geschichten vor der Vergessenheit zu bewahren.

Wo man nach dem Krieg vielfach vergessen wollte, wird heute nach schmerzhaften Erinnerungen gegraben, die nicht zuletzt häufig zum Inspirationsquell von Humanität werden können. Zuletzt verbindet diese Suche die Biographien der Nachfahren:

Seine Recherche führte Bob Meth schließlich zur in London lebenden Enkelin von Wojciech Rychlewicz, Anna Whitty. Auch sie hatte von den ehrwürdigen Taten ihres Großvaters nicht gewusst.

Hier der volle Artikel

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