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Die Denkmaldebatte: kriegen wir das noch hin?

05.09.2020

Unsere Leiterin Hanna Radziejowska sprach mit Florian Kellermann vom Deutschlandfunk für einen Beitrag über die Denkmaldebatte.

Die Denkmaldebatte: kriegen wir das noch hin?

„Ohne jemandem hier etwas böswillig unterstellen zu wollen, überkommt einen das ungute Gefühl, dass hinter der ganzen komplizierte Diskussion eine ganz simple Gegebenheit steckt: Die aktuellen Entscheidungsträger in Deutschland wollen dieses Denkmal einfach nicht.“ lautete das Endstatement der Leiterin des Pilecki-Instituts Berlin in einem Beitrag über die Denkmaldebatte in Deutschland, welcher am 30.08.2020 im Deutschlandradio ausgestrahlt wurde.

Florian Kellermann, der Autor dieses Beitrags, geht in diesem vor allem auf die polnische Rezeption der Denkmaldebatte ein. Zunächst wurde diese parteiübergreifend mit großem Interesse, ja, bisweilen gar Enthusiasmus in Polen verfolgt. Doch seitdem die Architektur-Pläne für das Exilmuseum bekannt gegeben wurden, macht sich Skepsis breit. Und auch diesmal wieder: parteiübergreifend.

Die relativ ähnlichen Reaktionen, die sich in den unterschiedlichsten weltanschaulichen Lager ausmachen lassen, zeigen, dass das Bedürfnis, den polnischen Opfern des II Weltkriegs ausreichend zu gedenken, eben nicht parteipolitischen Konfliktlinien entspringt.

Dabei wäre das Denkmal vermutlich zugleich Weg wie auch Ziel, denn längerfristig soll es ja darum gehen, dass das Wissen über die deutsche Besatzung Polens zwischen 1939-1945 Einzug erhält an Schulen. Dies wäre ein guter Weg, dieses Wissen im allgemeinen gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern.

Krzysztof Ruchniewicz, ein polnischer Historiker aus Breslau, meint gar, dass jetzt möglicherweise gerade nicht das Gebot der Stunde sei, flüchtig nach neuen Lösungen zu suchen: „Es wäre zu überlegen, ob man nicht doch anderswo einen anderen Platz sucht. Für mich ist es einfacher wichtiger, statt jetzt nach neuen Lösungen zu suchen, auf diese Grundsatzfrage zu antworten: Was wollen wir eigentlich in den deutsch-polnischen Fragen?“ (…)

Da scheint auf jeden Fall noch vieles auf uns zuzukommen, aber Beiträge wie dieser, welche die Situation nicht schönreden wollen und durch ihre Nüchternheit positiv auffallen, helfen dabei, sich ein realistisches Bild von der aktuellen Situation zu machen.

Hier kann man sich den ganzen Beitrag anhören: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2020/08/30/kein_polendenkmal_befremden_in_warschau_ueber_berliner_dlf_20200830_1744_9e1f320e.mp3

Foto: DW/W Szymański.

Zu sehen ist der Askanische Platz, an welchem ursprünglich das Denkmal entstehen sollte.

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