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Orden des Weißen Adlers für Zofia Posmysz

20.01.2020

61 Jahre nach der Uraufführung des Radiohörspiels "Die Passagierin der Kabine 45" wurde Zofia Posmysz-Piasecka nun mit dem Orden des Weißen Adlers (das höchste Ehrenzeichen in Polen, dessen Geschichte bis auf die Erste Republik zurückgeht) ausgezeichnet.

Typisch für Zofia Posmysz ist ihre aufrechte Art und Neigung selbst in den dunkelsten Tunneln am Ende noch das Licht zu erblicken. In einem Interview mit dem MDR sagte sie: "(...) ich habe keine negativen Gefühle gegenüber den Deutschen. Ich wurde so erzogen, dass ich Hassgefühle nicht auslebe. Ich hatte immer die Tendenz, in jedem Menschen das Gute zu sehen. So hat man es mir beigebracht. Und so wurde auch jeder Mensch gut zu mir. Ich glaube, dass ich auch deshalb überlebt habe. Und dank meines tiefen Glaubens an Gott."

Bekannt ist auch ein anderes Zitat von ihr: "Als ich die Toraufschrift "Arbeit macht frei" sah, dachte ich mir, dass das ja so schlimm nicht werden könne, denn vor Arbeit habe ich keine Angst, sie lassen mich bestimmt bald wieder frei."

Zofia Posmysz war KZ-Häftling in Auschwitz, Ravensbrück und Neustadt-Glewe. Nach dem Zweiten Weltkrieg zog sie nach Warschau um, wo sie dann Polonistik studierte und schließlich 1959 das Radiohörspiel "Die Passagierin der Kabine 45" veröffentlichte. Es diente als Vorlage für die gleichnamige Fernsehvorführung, die ein Jahr später ausgestrahlt wurde, für den Roman und den unter Regie von Andrzej Munk (der auch für die Fernsehvorführung Regie geführt hatte) gedrehten Kinofilm, dessen Entstehung jedoch von denkbar tragischen Umständen begleitet wurde: Andrzej Munk starb während der Dreharbeiten und sein Mitarbeiter führte die Produktion dann zu Ende.

Der Roman "Die Passagierin" wurde in 15 Sprachen übersetzt. Worum geht es in der Erzählung?

Lisa und Walter Kretschmer befinden sich auf einem Überseeschiff, welches von Hamburg nach Rio de Janeiro schwimmt. Walter hat einen lukrativen Job in der westdeutschen Botschaft in Brasilien ergattert, Lisa freut sich auf ihr neues Leben quasi als Botschafter-Gattin. Beide sind dem Schicksal tief dankbar für diesen neuen Lebensabschnitt und können sich endlich auch luxuriös - vergnügliche Konsumbefriedigungen leisten, über welche sie vorher allenfalls zu träumen wagten. Doch dann sieht Lisa eine Passagierin und wird beinahe ohnmächtig. Die Frau erinnert sie an einen KZ-Häftling. Walter versteht nun, dass ihm seine Frau vorher nicht die ganze Wahrheit erzählte und ihm in Zuge dessen ihren Dienst bei der SS vorenthielt. Das bedeutet, dass vor er nun möglicherweise vor der Wahl zwischen Ehe oder Karriere steht.

Zusätzlich entstand auf Basis dieser Erzählung auch noch eine Oper inklusiver musikalischer Untermalung aus der Feder des Komponisten Mieczysław Weinberg. Sie sollte ursprünglich in Moskau vorgeführt werden doch wurde ihr, so Posmysz, "abstrakter Humanismus" vorgeworfen, außerdem lag die Vermutung nahe, dass manche Zuschauer Analogien zwischen den sowjetischen Gulags und den KZs ziehen könnten.

Schließlich fand die Uraufführung 2010 in Bregenz statt. Seitdem wurde sie dann in Opernhäusern auf der halben Welt aufgeführt - in England, Deutschland, Russland, den USA und schließlich auch in Polen. So wurde Zofia Posmysz späte Beliebtheit und Berühmtheit zuteil - nun wurde sie auch noch von Präsident Duda mit dem höchsten polnischen Ehrenzeichen, dem Orden des Weißen Adlers, ausgezeichnet.

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