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Zwischen 30.000 und 60.000 Frauen, Kinder, ältere Menschen, sowie Männer wurden erschossen und lebendig verbrannt. Nach stundenlangen Archivanalysen im Landesarchiv Schleswig-Holstein stießen wir auf bisher nicht veröffentlichte Fotografien.

Oberbefehlshaber der SS und Polizei, Geibel, Verhör am 3.11.1948:

„Am gleichen Tag (1. August 1944) erhielt ich am Abend ein Radiotelegram mit der Unterschrift von Himmler, mit dem Befehl eines tapferen und erbitterten Kampfes mit den Aufständern. An den genauen Inhalt des Radiotelegrams erinnere ich mich nicht, jedoch weiß ich noch dessen letzen Satz: ‚Tötet sie zu Zehntausenden!‘ Diesen Satz verstand ich als Befehl zur Ausrottung der Zivilbevölkerung /…/.“

 

Das Massaker von Wola 

Der Oberbefehlshaber der SS und Polizeiwachen-Gruppenführer Reinefarth erhielt am Nachmittag des 3. August 1944 den Befehl von Himmler, aus den zur Verfügung stehenden Kräften der Wehrmacht, der Polizei und der SS eine Kampftruppe zu formieren, um den Warschauer Aufstand niederzuschlagen.

Am 4. August 1944 erreichte den westlichen Teil Warschaus ein Trupp bestehend aus 2750 Männern. Am 5. August 1944 um 5 Uhr früh fand ein von Reinefarth, der sich zu dem Zeitpunkt in Wlochy (heute ein Stadteil Warschaus) aufhielt, geführtes Beratungstreffen statt, welches in einem Sturmangriff auf die Wolska- und Górczewska-Straße mündete. An diesem Tag begann die Schlacht um Wola, welche, verschiedenen Einschätzungen zufolge, zwischen 30.000 und 60.000 Menschen das Leben kostete.

Frauen, Kinder, ältere Menschen, sowie Männer wurden erschossen und lebendig verbrannt - es fanden Raubzüge und brutale Vergewaltigungen statt. Um das Verbrechen zu vertuschen, wurde das sogenannte Verbrennungskommando gebildet. Polnische Männer wurden gezwungen, diesem beizutreten und Tausende von Leichen zu verbrennen. Nachdem sie dies dann getan hatten, wurden alle,  mit  Ausnahme einiger Geflüchteter, erschossen.

Nach dem Krieg wurde der Jurist Reinefarth schnell von sämtlichen Anschuldigungen freigesprochen. 1951 begann er eine politische Karriere auf Sylt, als er Bürgermeister und Parlamentarier im Landtag wurde. Er gilt als die deutlichste Exemplifizierung der gravierenden Mängel und Unterlassungen der ersten Jahre der Bundesrepublik und der "Schlussstrich Mentalität" der Nachkriegsjustiz, welche es versäumte, NS-Funktionäre für ihre Verbrechen zur Verantwortung zu ziehen  - nicht nur für jene, die sie während des Warschauer Aufstands begingen, sondern auch während des gesamten Krieges.

Ein Zitat: 

Zeuge Prof. Dr. Thieme, Oberleutnant der Artillerie-Truppe 507, Verhör an den Tagen 27. August 1958, sowie 14. Oktober 1960:

Am 7. August 1944 war ich mit meinem Befehlshaber am Posten des Kommandos von Reinefarth. Reinefarth sagte, indem er auf die an uns vorbeilaufenden Flüchtenden zeigte: „Sehen Sie, das ist unser größtes Problem. Wir haben nicht genug Munition, um sie alle zu beseitigen“.

 

Das Pilecki-Institut führt Recherchen in vielen deutschen Archiven durch. Nach stundenlangen Archivanalysen im Landesarchiv Schleswig-Holstein stoßen wir auf bisher nicht veröffentlichte Fotografien, die den verhörten Mitgliedern der Reinefarth-Gruppe gehörten. Heute präsentieren wir drei unbekannte Fotografien aus der Sammlung Abt. 359, Nr. 11270 (1), auf denen man verbrannte Leichen, die Chlodna Straße, auf der die Bewohner Warschaus getrieben wurden und das Tor vor der Kirche des Heiligen Wojciech in der Wolska Straße sieht. 

 

 

 

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