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Als Jan Lityński bemerkte, dass sein Hund in das Eis einbrach, entschied er sich zu einer spontanen Rettungsaktion und sprang in den Fluss. Es sollten die letzten Augenblicke seines Lebens sein.

Tod nach Heldentat. Als Jan Lityński bemerkte, dass sein Hund in das Eis einbrach, entschied er sich zu einer spontanen Rettungsaktion und sprang in den Fluss. Es sollten die letzten Augenblicke seines Lebens sein. Heute gedenken wir dem gestern verstorbenen Jan Lityński, bekannt als Vertreter und Aktivist der antikommunistischen Opposition und späterer publizistischer Mitgestalter der polnischen Transformation.

Geboren wurde Jan Lityński am 18 Januar 1946, er wurde in einem jüdisch-polnischen Elternhaus groß. Die ihm innewohnende Zivilcourage stellte er bereits 1968 unter Beweis, als er sich als Organisator und Teilnehmer an den Stundentenprotesten im Rahmen der sogenannten März-Ereignisse beteiligte und dafür zu 2,5 Jahren Haft verurteilt wurde, wovon er etwa ein Jahr absaß. Bereits im Jahre 1976 war er ein Mitbegründer des Informationsblattes der KOR (das Komitee zur Verteidigung der Arbeiter), in dessen Reihen er sein oppositionelles Engagement in unterschiedlichen Formen die Jahre darauf vertiefte, bis er 1980, nachdem er abermals kurzzeitig verhaftet wurde, als Berater der Solidarność einberufen wurde. Während des Kriegszustands in Polen wurde er inhaftiert, einige Jahre später nahm er am sog. Runden Tisch teil.

In seinen Artikeln verteidigte er stets die Idee des Runden Tisches, zuletzt 2019 in einer Diskussion anlässlich des 30. Jahrestags des Runden Tisches: „Es war ein ganz neues Modell, ein Beispiel für andere, wir waren schließlich die Ersten. Die weiteren Entwicklungen in Rumänien und Jugoslawien bewiesen, dass es keinen Sinn machte, weiter zu warten, etwa um darauf zu spekulieren, dass sich die Verhandlungsposition der kommunistischen Machthaber noch verschlechtern konnte .“

Nach 1989 unterstützte er das liberale Lager, saß für die Freiheitsunion im Parlament bis 2001 und gab sich als regelmäßiger Publizist der „Gazeta Wyborcza“ und des Wochemagazins „Polityka“ zu erkennen. Doch auch in dieser Zeit ging er Kontroversen nicht aus dem Weg – die jeweiligen praktischen Versuche, in Polen eine Lustration oder Dekommunisierung einzuführen, bewertete er zwar stets sehr kritisch, er war der Idee an sich aber insgesamt weniger kritisch gegenüber eingestellt als z.B. der Chefredakteur und Mitbegründer der Gazeta Wyborcza Adam Michnik.

Beileidsbekundungen wie auch Nachrufe wurden heute parteiübergreifend ausgesprochen – neben Adam Michnik u.a. auch der Vorsitzender der heutigen Solidarność Piotr Duda und Antoni Macierewicz, Mitbegründer des Komitees zur Verteidiung der Arbeiter KOR, welcher bekanntlich nach 1989 einem ganz anderen politischen Pfad folgte.

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