News

Julian Fałat, ein Maler der polnischen Moderne

30.07.2021

In Julian Fałats Malerei amalgatisierten sich auf ganz einzigartige Weise romantische Inhalte mit formalen Aspekten des Impressionismus.

Am 30. Juli 1853 wurde Julian Fałat im Dorf Tuligłowy nahe Lwów (Lemberg) als Sohn des Dorforganisten geboren. Seine Kindheit zwischen Wald und Wiese, in den weiten Landschaften der Region, prägte ihn nachhaltig. Er begann ein Kunststudium in Krakau, studierte zudem am Polytechnikum in Zürich und an der Akademie der Bildenden Künste in München. Geldnot führte jedoch dazu, dass er sein Studium immer wieder pausieren musste. Zu der Zeit fertigte er Auftragsarbeiten und technische Zeichnungen an, zeichnete für den Archäologen Stanisław Krzyżanowski bei Uman und den Architekten Feliks Gąsiorowski in Odessa. In Zürich assistierte er als technischer Zeichner beim Bau der dortigen Eisenbahn.

In den 1880er Jahren reiste er viel – durch Italien und Spanien, doch begab er sich in so entfernte Orte wie Ceylon, Singapur, Hong Kong, Yokohama, San Francisco und New York. Während einer Jagd in Nieśwież auf dem Anwesen des Fürsten Radziwiłł machte er Bekanntschaft mit dem preußischen Kronprinzen Wilhelm – dem späteren deutschen Kaiser Wilhelm II. –, der ihn wiederholt auf das Jagdschloss Hubertusstock an der Schorfheide einlud und für den er ab 1886 in Berlin als Hofmaler tätig war. Im Jahr 1893 wurde er zum Mitglied der Berliner Akademie der Künste ernannt.

1895 wurde er Direktor der Hochschule für Bildende Künste in Krakau und reformierte deren Lehrplan grundlegend; 1905 wurde er Rektor der Universität. Er stellte das Lehrpersonal aus zahlreichen bekannten Vertretern der Moderne zusammen: Stanisław Wyspiański, Leon Wyczółkowski, Jacek Malczewski, Józef Mehoffer, Jan Stanisławski, Teodor Axentowicz, Konstanty Laszczka, Stanisław Dębicki, Ferdynand Ruszczyc und Józef Pankiewicz. Fałat vereinte damit zahlreiche Künstler aus dem Umfeld der modernistischen Bewegung „Junges Polen“. Er schlug ein neues Kapitel in der Geschichte der polnischen Kunsterziehung auf und legte den Grundstein für den kulturellen Aufbruch polnischer Institutionen in die Moderne.

Fałats Reformationen standen im Zusammenhang mit dem Bestreben, eine eigene künstlerische Sprache für das damals noch nicht unabhängige Polen zu finden. Das geteilte Land unter der Herrschaft dreier Großmächte – Preußens, Österreich-Ungarns und Russlands – suchte seine kulturelle Eigenheit zu verteidigen. Ähnlich wie im „Flickenteppich Deutschland“ vor der Reichsgründung entwickelte sich auch in Polen eine romantische Bewegung. Nicht zufällig erinnern die zahlreichen Winterlandschaften Fałats an solche Caspar David Friedrichs, des Malers der deutschen Frühromantik schlechthin. Wie die Drei Barden Adam Mickiewicz, Juliusz Słowacki und Zygmunt Krasiński die polnische Literatur durch romantische Topoi aufluden, so bediente man sich in der bildenden Kunst romantischer Motive. Motive christlicher Frömmigkeit und Polens wiedererlangte Unabhängigkeit im Jahre 1918 lassen sich ebenso als gemeinsamer Referenzpunkt angeben. Damit amalgamieren sich in Julian Fałats Malerei auf ganz einzigartige Weise romantische Inhalte mit formalen Aspekten des Impressionismus.

Zuletzt machten zwei Gemälde Fałats Schlagzeilen, nachdem sie im Jahr 2006 in Auktionshäusern in New York aufgetaucht waren. Die Deutschen hatten während der Besatzung Polens das Polnische Nationalmuseum ausgeplündert und die wertvollen Bilder entwendet. Seitdem galten sie wie viele andere polnische Kulturgüter als vermisst. Ein Gerichtsverfahren bestätigte den Fall, beschlagnahmte die Gemälde als gestohlenes Eigentum und gab sie an Polen zurück, die sich seitdem wieder im Nationalmuseum in Warschau befinden.

Bilder

https://de.wikipedia.org/wiki/Julian_Fa%C5%82at...

Selbstporträt, 1896, im Nationalmuseum Warschau

https://commons.wikimedia.org/.../Category:Paintings_by...

Schnee, 1907, in der Sammlung des Nationalmuseums in Krakau

https://upload.wikimedia.org/.../Fa%C5%82at_Old_man...

Betender alter Mann, 1881, Nationalmuseum Warschau

+2

See also