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Zum fünften Todestag von Wladyslaw Bartoszewski

24.04.2020

Ein deutsch-polnischer Brückenbauer, der im Zuge der zweiten Deportationswelle zusammen mit Pilecki in Auschwitz landete

Auch Bartoszewskis Leben war geprägt durch die Begegnung mit der eisernen Härte beider Großtotalitarismen im XX Jahrhundert. Nachdem er ein Faible für die deutsche Kultur am Warschauer Gymnasium entwickelte, wird er 1940 nach Auschwitz verschleppt, welches er nach 200 Tagen dank der Bemühungen des Roten Kreuzes auch wieder verlassen kann. Er kämpft weiter gegen beide Besatzer, beteiligt sich überaus aktiv an der „Żegota”, der europaweit einzigen unter Schirmherrschaft offizieller staatlicher Strukturen stehenden Hilfsorganisation, deren Hauptziel die Rettung von Juden war. Danach nimmt er am Warschauer Aufstand teil, dokumentiert als Journalist die Gräueltaten des Dritten Reichs und wird wieder inhaftiert: diesmal vom kommunistischen Regime. Am 29.05.1952 wird er zu acht Jahren Gefängnis wegen angeblicher Spionage verurteilt.

Im Rampenlicht der öffentlichen Debatte stand er immer wieder als Historiker und Autor mehrerer Bücher, die auch auf Deutsch erschienen sind: „Das Warschauer Ghetto wie es wirklich war. Zeugenberichte eines Christen“, „Es lohnt sich anständig zu sein“, „Uns eint unvergossenes Blut. Juden und Polen zur Zeit der Endlösung“ oder auch als Herausgeber von „Die Kraft des Augenblicks: Begegnungen mit Papst Johannes Paul II“.

Bekannt ist sein Engagement für die deutsch-polnische Vereinigung, wobei er bisweilen beide Seiten zu geißeln wusste und mit Sicherheit kein Mensch war, der Kontroversen scheute. In seiner publizistischen Tätigkeit wirkte er manchmal bissig, manchmal ironisch, gelegentlich gar ungerecht scharzüngig, aber stets darauf ausgerichtet, das Glas als zur Hälfte voll anzusehen: „Die Beziehung der Polen zur langjährigen Besatzungsmacht Deutschland ist besser, glaube ich, psychologisch, als die Beziehung der Iren zu den Engländern, so im Alltag – unter den Menschen, nicht offiziell in der großen Politik. Aber in der Gesinnung der Menschen im Alltag. Das ist die Gesinnung der Völker, was man beim Biertisch miteinander redet, was man auf der Straße hört, was man auf Versammlungen hört. Also, so schlimm ist es nicht.“

 

 

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