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Ans Tageslicht gekommen: der Fall Benno Ohnesorg und andere Geheimnisse aus dem Stasi-Archiv

20.09.2021

Die Geschichte des Stasi-Archivs und zwei brisante Fälle: Der Fall Benno Ohnesorg und die Geschichte von Alfred Łaszowski

Zoom-Vortrag | 23.09.2021, 15.30 | Anmeldung hier

Die Geschichte des Stasi-Archivs und zwei brisante Fälle: Der Fall Benno Ohnesorg und die Geschichte von Alfred Łaszowski

Die Geschichte von Beno Ohnesorg, dem Studentenführer von 1968, konnte aufgeklärt werden dank der Öffnung der Stasi-Archive. Ihre Gebäude, unter Einsatz riesiger finanziellen Mittel erbaut, sollten zugleich der eigenen Sicherheit bzw. Abschottung von der Außenwelt und der Geheimhaltung wichtiger Informationen dienen. Die Findmittel waren doppelt verschlüsselt. In einer Zeit, wo es noch keine Computer im heutigen Sinne gab, wurden fortgeschrittene Systeme entwickelt, um Akten zu ordnen.

Karsten Jedlitschka wird in seinem Vortrag einen Überblick über das archivalische Erbe der Stasi und dessen Nutzung geben, u.a. am Beispiel der sog. „NS-Archivs“. Er wird auch ergänzend über die „Geheimen Ablage“ innerhalb des Archivs erzählen.

Hanna Radziejowskas Vortrag hingegen thematisiert eine andere Entdeckung in den Stasi-Archiven: den Fall Alfred Łaszowski. Łaszowski war ein Aktivist des Nationalradikalen Lagers (ONR) und Literaturkritiker, der mit der Zeitschrift „Prosto z mostu“ zusammenarbeitete. Er schloss sich später der neuen, mittlerweile verbotenen ONR an und beteiligte sich an antijüdischen Ausschreitungen. Nach dem Krieg schrieb er einen aufsehenerregenden Roman über den Leiter der Gestapo in Warschau, der ein Verhältnis mit einem Pole hatte. Es stellt sich heraus, dass der Roman keine reine Fiktion ist. In den bei der BStU gefundenen Akten von Alfred Spilker - dem für die Zerschlagung der vielen warschauer AK-Strukturen zuständigen Leiter des deutschen Nachrichtendienstes - wird Łaszowski als wertvoller Gestapo-Agent und Übersetzer erwähnt, der unter anderem im Durchgangslager in Pruszków tätig war.

Mit:

  • Dr. Karsten Jedlitschka, Studium der Geschichte und Germanistik in München und Princeton. 2004 Promotion in Neuerer und Neuester Geschichte an der Universität München. 2003-2005 Archivreferendariat am Hauptstaatsarchiv Dresden und an der Hochschule für Archivwissenschaft in Marburg. Mai-Dezember 2005 Leiter des Archivs des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Januar 2006-Oktober 2007 Direktor des Archivs der Deutschen Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina in Halle a. d. Saale. Seit Herbst 2007 beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik (BStU), zuerst als Referatsleiter Archivischer Grundsatz, seit Frühjahr 2017 als Referatsleiter Nutzung von Stasi-Unterlagen für Zwecke der Forschung und der politischen Bildung sowie von Presse, Rundfunk und Film.
  • Hanna Radziejowska - Historikerin, Absolventin des Instituts für Geschichte an der Universität Warschau. Sie arbeitete mit dem Museum des Warschauer Aufstands und dem Haus der Begegnung mit der Geschichte in Warschau zusammen. Mitbegründerin und Kuratorin des Museumslabors - einem internationalen Programm zur Förderung der Neuen Museologie. Kuratorin der Ausstellung „Wola 1944“. Sie organisierte auch die gleichnamige juristische und historische Konferenz zu dem Thema, die 2017 in Warschau stattgefunden hat. Aktuell untersucht sie wissenschaftlich die Rolle der Agenten, Spitzel und Mitarbeiter der Gestapo im Bezirk Warschau.

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