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In Erinnerung an 9 jüdische Kämpferinnen des Aufstands im Warschauer Ghetto

19.04.2021

Dank einer Aktion des Museums der Polnischen Juden Muzeum Historii Żydów Polskich POLIN kann man am U-Bahnhof Centrum in Warschau ein Wandbild, welches diesen Kämpferinnen gewidmet ist, bestaunen.

In Erinnerung an 9 jüdische Kämpferinnen, junge heldenhafte Frauen, die am Aufstand im Warschauer Ghetto teilnahmen

Dank einer Aktion des Museums der Polnischen Juden kann man am U-Bahnhof Centrum in Warschau ein Wandbild, welches diesen Kämpferinnen gewidmet ist, bestaunen. Wir haben ihre Kurzporträts übersetzt und werden jeden Tag eine der Kämpferinnen vorstellen: Tosia Altman, Feigele Peltel, Niuta Tajtelbaum, Szoszana Kossower, Mira Fuchrer, Rachela Zylberberg, Dorka Goldkorn, Irka Gelblum oraz Rywke Pasamonik

Heute stellen wir Tosia Altman vor.

Tosia Altman (24. August 1918, Lipno – 26. Mai 1943, Warschau) war Mitglied der sozialistisch-zionistischen Jugendorganisation Hashomer Hatzair sowie der Jüdischen Kampforganisation (ŻOB) und nahm am Warschauer Ghettoaufstand teil. Am 8. Mai 1943 befand sie sich im Kommandobunker, in dem sich auch der Leiter des Aufstandes Mordechaj Anielewicz zusammen mit der Aufstandsleitung aufhielt. Die Deutschen entdeckten den Bunker und leiteten Gas in ihn ein. Durch Erstickung und Suizid starben 120 Menschen. Altman gelang es, durch den einzigen unentdeckten Ausgang zu entkommen und sich in einem anderen Bunker in Sicherheit zu bringen. In der Nacht vom 8. auf den 9. Mai verließ sie das Ghetto durch die Kanalisation, zusammen mit etwa 30 weiteren Kämpfer:innen. Nachdem sie mit einem bereitgestellten LKW in den Vorort Łomianki transportiert worden waren, versteckte sich die Gruppe im Wald mit der Absicht, sich den Partisanen anzuschließen. Nach ein paar Tagen kehrte Altman jedoch nach Warschau zurück und versteckte sich auf dem Dachboden der bis heute erhaltenen Weihnachtsbaumschmuckfabrik von Szymanowicz. Am 24. Mai 1943 brach ein Feuer aus, bei dem acht Menschen starben. Um das Feuer zu überleben, sprang sie aus dem Fenster. Mit schweren Verbrennungen wurde sie von der Blauen Polizei gestoppt und an die Deutschen übergeben. Sie wurde ins Krankenhaus gebracht, wo sie – wahrscheinlich am 26. Mai 1943 – an den Folgen der Verbrennungen und möglicherweise auch an Folter und mangelnder Hilfeleistung starb.

Dies ist eine leicht gekürzte und modifizierte Fassung des Originalartikels, welcher auf der Webpage von Polin erschienen ist: https://www.polin.pl/.../2021/04/14/poznaj-bohaterki-muralu

Feigele Peltel (später Vladka Meed), am 29. Dezember 1921 in Warschau geboren, war Mitglied des Allgemeinen Jüdischen Arbeiterbundes und des bewaffneten Widerstandes im Warschauer Ghetto. Ausgesandt von der Jüdischen Kampforganisation verließ sie am 5. Dezember 1942 das Ghetto und ging auf die „arische Seite“ über. Von dort aus sollte sie Hilfe für die in den Ghettos inhaftierten und die außerhalb der Ghettos versteckten Jüdinnen und Juden organisieren. Sie beteiligte sich daran, Kinder aus dem Warschauer Ghetto zu schmuggeln, ihnen Unterschlupf zu verschaffen und polnischen Familien zu bezahlen, die sich entschlossen, die Kinder aufzunehmen. Ihr „passendes“ Erscheinungsbild – glattes, blondes Haar und graugrüne Augen – sowie falsche Dokumente, ausgestellt auf den Namen Władysława Kowalska, halfen ihr bei ihren Untergrundaktivitäten. Während der Vorbereitungen für den Aufstand im Warschauer Ghetto und auch nach dessen Beginn schmuggelte sie Waffen, Sprengstoff und Benzin, das zur Herstellung von Molotow-Cocktails verwendet wurde. Sie beteiligte sich auch an der Weitergabe von Geld, Kleidung und Nachrichten an die Partisanen – die wenigen überlebenden Aufständischen aus dem Warschauer Ghetto, die sich in den nahen Wäldern versteckten. 1946 emigrierte sie mit ihrem Mann Benjamin Międzyrzecki in die Vereinigten Staaten, wo beide den Nachnamen Meed annahmen. 1948 veröffentlichte sie in New York ihre Memoiren in jiddischer Sprache (1999 auf Deutsch erschienen als: „Deckname Vladka. Eine Widerstandskämpferin im Warschauer Ghetto“, mit einem Vorwort von Elie Wiesel). Mit ihrem Ehemann engagierte sie sich zeitlebens in der Aufklärung über den Holocaust. Als Vladka Meed starb sie 2012 in Arizona, USA.

Niuta Tajtelbaum (31.10.1917, Łódź – Juli 1943, Warschau) war Mitglied der Polnischen Arbeiterpartei im Warschauer Ghetto, Kontaktfrau des Antifaschistischen Blocks und Mitglied einer Sondergruppe der Volksgarde. Sie nahm an zahlreichen Sabotageaktionen teil, die vom Jüdischen Untergrund organisiert wurden.

Wie andere jüdische Frauen nutzte sie ihr vermeintlich „arisches“ Aussehen, um außerhalb des Ghettos den Widerstand zu unterstützen. Durch ihr jugendliches Erscheinungsbild und ihre blonden Zöpfe getarnt gelang es ihr eines Tages, unter dem Vorwand einer „persönlichen Angelegenheit“ mit einem SS-Offizier in dessen Büro einzutreten. Ohne irgendjemandes Verdacht zu erregen, erschoss sie ihn mit einem Revolver und entfernte sich mit unschuldiger Miene. Sie war in ganz Warschau für ihre Aktionen berüchtigt und von den deutschen Besatzern gefürchtet.

Am Tag nach dem Ausbruch des Warschauer Ghettoaufstandes, dem 20.04.1943, nahm Niuta Tajtelbaum an einer erfolgreichen Aktion auf dem Krasiński-Platz teil. Das Ziel ihrer Einheit waren Soldaten der Waffen-SS, die aus Kanonen auf jüdische Aufständische schossen. Im Juli 1943 wurde sie von der Gestapo verhaftet. Ihr Versuch, sich zu vergiften, misslang. In der Haft folterten sie die Deutschen, um sie zur Preisgabe von Informationen über ihre Kamerad:innen zu zwingen. Niuta verriet jedoch niemanden. Sie wurde ermordet und an einem unbekannten Ort begraben.

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