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Häuser aus Glas? Polen und Europas Ringen um die Moderne im 20. Jahrhundert

10.04.2020

Die Geschichte der Moderne ist keine universelle, sondern eine ortsgebundene Geschichte.

Vortragsreihe: Häuser aus Glas? Polen und Europas Ringen um die Moderne im 20. Jahrhundert

 

Vortrag: "Internationale neue Baukunst im nationalen Spannungsfeld. Architektur der Zwischenkriegszeit in deutsch-polnischen Grenzregionen"

Der Vortrag wird simultan ins Polnische übersetzt/wykład będzie tłumaczony symultanicznie na język polski.

16. April 2020, 18:30–20:00 Uhr

Der Vortrag wird in Form eines Webinars via Zoom stattfinden. Hier können Sie sich registrieren: https://zoom.us/webinar/register/WN_RT3qOC8kSDSYVwbEs5X2iw

 

PD Dr. habil. Beate Störtkuhl

Kunsthistorikerin; Wissenschaftskoordinatorin am Bundesinstitut für Kultur und Geschichte der Deutschen im östlichen Europa, Oldenburg; Privatdozentin an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

 

In den nach 1918 neu konstituierten Staaten Ostmitteleuropas wurde das Neue Bauen zum Symbol für Fortschrittlichkeit und Prosperität. Dies gilt auch für Polen, für die Hauptstadt Warschau ebenso wie für die neuen westlichen Woiewodschaften Schlesien und Pommern und ihre wichtigsten Städte, Kattowitz/Katowice und Gdingen/Gdynia.

Beide Regionen waren geprägt vom kulturellen Wettstreit mit den deutschen Nachbarn jenseits der Grenze; Architektur und Städtebau spielten dabei eine zentrale Rolle.

In Gdynia galt die moderne Architektur der City als Äquivalent zum florierenden Hafen, der sich zu einem der modernsten Europas entwickelt hatte. Das polnische Gdynia hob sich als etwas Neues, Eigenständiges von der traditionsverhafteten, deutsch geprägten Konkurrentin Danzig ab. Dort agitierte der Architektenzirkel der Technischen Hochschule nicht nur gegen die „grau-weißen Klötze“ auf polnischer Seite, sondern auch gegen die Modernisierungspläne des Danziger Stadtbaurats Martin Kießling. 

In Oberschlesien kam es hingegen zu einer paradoxen Situation: Die Architekturmoderne, die als „internationale neue Baukunst“ ebenso gefeiert wie verunglimpft wurde, diente im zwischen Deutschland und Polen umkämpften Oberschlesien dazu, nationale Dominanz zu manifestieren. 

Der Vortrag stellt exemplarisch Akteure, Bauten und Diskurse zu beiden Seiten der Grenze vor.

 

 

 

Vortrags- und Gesprächsreihe Häuser aus Glas? Polen und Europas Ringen um die Moderne im 20. Jahrhundert:

Die Geschichte der Moderne ist keine universelle, sondern eine ortsgebundene Geschichte. Die Wahrnehmung der Moderne als eine Vielfalt und Mannigfaltigkeit von parallel auftretenden Aktivitäten regt dazu an, Fragen nach gemeinsamen Eigenschaften wie Besonderheiten der unterschiedlichsten Modernisierungsprojekte zu stellen. Einen Teil davon bildet auch die Geschichte der Moderne in der Architektur, die zu einer Art Seismograf der visionären und zugleich ambivalenten Erfahrungen mit der Moderne geworden ist.

 

Die Vortragsreihe Häuser aus Glas? Polen und Europas Ringen um die Moderne im 20. Jahrhundert ist dem Phänomen architektonischer Übertragungen und Synthesen sowie der Eigenart der Modernisierungspraktiken und -prozesse in Polen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gewidmet. Mit der Reihe sollen Fragen nach der Rolle der polnischen architektonischen Moderne in den überregionalen Modernisierungsbestrebungen sowie nach der lokalen Eigenart des polnischen Bauwesens in den ersten Dekaden des 20. Jahrhunderts vor dem Hintergrund der europäischen Architektur zu dieser Zeit verhandelt werden.

Die Vortragsreihe findet im Rahmen des Programms Modernität üben statt, das als ein Forum für intellektuellen, künstlerischen und wissenschaftlichen Austausch konzipiert wurde.


 

 

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