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Konspirantinnen. Polnische Frauen im Widerstand 1939-1945

26.07.2020

Aus Anlass des 76. Jahrestages des Warschauer Aufstands möchten wir an die Rolle der Frauen im polnischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs erinnern. English Below!

English below 

31.07.2020, 18.00 | Zoom Webinar | Filmvorführung und Debatte | Hanna Radziejowska, Dr. Helena Anna Jędrzejczak, Dr. Paweł Ukielski und Paul Meyer

Organisation und Zusammenarbeit: Pilecki-Institut Berlin, Zentrum für historische Forschung in Berlin und Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit.

Aus Anlass des 76. Jahrestages des Warschauer Aufstands möchten wir bei der zweiten Online-Veranstaltung unserer Gesprächs- und Videoreihe "Der Vergessene Alliierte. Polen an den Fronten des Zweiten Weltkriegs" an das Engagement und die Rolle der Frauen im polnischen Widerstand während des Zweiten Weltkriegs erinnern.

"Konspirantinnen. Polnische Frauen im Widerstand 1939-1945"
- Filmvorführung und Online-Diskussion.

1.) Zunächst muss man sich für die Diskussion über den Film "Konspirantinnen" anmelden: https://zoom.us/webinar/register/WN_gxmlbDzVTrSu5y8Fv8RiDw

2.) Danach erhält man zusätzlich zur üblichen Bestätigunsmail, die auch den Link zu dem am 31.07 um 18 Uhr stattfindenden Webinar beinhaltet, auch noch ein Passwort.

3.) Dieses Passwort benötigt man, um den Film "Konspirantinnen" zu sehen. Der Film wird am 31.07 und 01.08 ohne Zeiteinschränkungen in drei Sprachversionen zu sehen sein:

Deutsch:
https://vimeo.com/440732672

Polnisch:
https://vimeo.com/440720935

Englisch:
https://vimeo.com/440729924

Nach Anklicken des jeweiligen Links muss man das oben erwähnte, via E-Mail erhaltene Passwort eingeben.





Der polnische Staat gewährte Frauen bereits 1918 das aktive und passive Wahlrecht. Für die Generation, für welche die Wiedererlangung der Unabhängigkeit eine durch enormen Wagemut und Tapferkeit angetriebene Herzensangelegenheit und ein Lebensziel darstellte, war das Wahlrecht für die Frauen etwas ganz Offensichtliches. Ob im Rahmen des revolutionär-konspirativen Widerstands in der PPS, im polnischen Geheimdienst, in den Brigaden der polnischen Legionen oder im späteren Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920-21: Die polnischen Bürger*innen waren stets an allen Fronten vertreten und leisteten einen immensen politisch-militärischen Beitrag.

Dieses auf den ersten Blick nicht offensichtliche Verhältnis zwischen politischer Willensbildung, der Ausdehnung politischer Grundrechte und der Teilnahme am bewaffneten Kampf ist ein Erbe der politischen Ideengeschichte der Antike, die besagte, dass nur jener oder jene über das Schicksal des eigenen Landes entscheiden könne, welcher/welche zugleich auch für dieses Land kämpfen und es verteidigen würde. Die Emanzipation der Polinnen am Ende des 19. Jahrhunderts war ein fester, ja essenzieller Bestandteil des Kampfes um die Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens. Die Inanspruchnahme politischer Rechte, die Suche nach neuen Wegen, politische Freiheit im Sinne Hannah Arendts auszuüben, d.h. die aktive Aushandlung des tagtäglichen Miteinanders, das Recht auf Bildung - all dies waren Vorstellungen und Ziele, ohne welche der Traum von der Wiedererlangung der Unabhängigkeit Polens nach 123 Jahren der Besatzung undenkbar gewesen wäre.

Dass Polinnen sich als Bürgerinnen der Rzeczpospolita verstehen und deswegen das Engagement von Frauen in der Armee eine lange Tradition in Polen hat, kam im Zweiten Weltkrieg erneut zum Ausdruck. Frauen kämpften in den Reihen aller polnischen Armeen - während der Besatzungszeit waren sie im Untergrund und an allen Kriegsfronten aktiv - sie waren Geheimdienstmitarbeiterinnen, Krankenschwestern, Verbindungsoffizierinnen, Soldaten und Offiziere. Sie organisierten geheimen Unterricht, um das polnische Bildungswesen der deutschen Okkupation zum Trotz am Leben zu erhalten, führten oft gefährliche Ablenkungsaktionen durch und wurden, genauso wie Männer, in Konzentrationslager geschickt, ins Gefängnis gebracht, gefoltert und ermordet.

Nach dem Ende des Warschauer Aufstands wurden die Polinnen, als erste Frauen in der Geschichte überhaupt, als geschützte Soldatinnen (nach der Genfer Konvention) anerkannt. Paul Meyers Film ist eine außergewöhnliche Geschichtsdoku, in welcher die hier beschriebenen Protagonistinnen ausführlich zu Wort kommen. Sie erzählen die Geschichte ihres Untergrundengagements und ihrer Teilnahme am Warschauer Aufstand. Auch ihr Schicksal in der Nachkriegszeit kommt nicht zu kurz.

Zusammen mit dem Regisseur des Films und einem weiteren Gast wird Hanna Radziejowska gleich mehreren spannenden Fragen nachgehen. Z.B worin die Besonderheit der Erfahrung von in Armeen kämpfenden Frauen liegt, ob der Krieg, wie Swiatłana Aleksijewicz schrieb, tatsächlich "kein weibliches Gesicht hat". Die Rolle der polnischen Frauen im Warschauer Aufstand, ihre Lebensgeschichten und ihre Erfahrungen im Nachkriegspolen stellen an sich schon höchst fruchtbare und erkenntnisbereichernde Themen dar, aber hier sollen sie zusätzlich helfen zu zeigen, wie Frauen die Besatzung und Verbrechen des Dritten Reichs perzipiert, sich als eigenständige Subjekte wahrgenommen haben und aktiv Widerstand leisteten.

 

Teilnehmende:

Paul Meyer – Grimmepreisträger, Darsteller, Regisseur, Drehbuchautor, Produzent, neben "Konspirantinnen" führte er auch u.a. Regie für den "Hauptmann von Muffrika"  

Dr. Helena Anna Jędrzejczak - Ideenhistorikerin, Soziologin und Redakteurin des Wochenmagazins Kultura Liberalna. 2018 hat sie ihre Doktorarbeit über Ethik und politische Theologie bei Dietrich Bonhoeffer angefertigt und eingereicht. Sie beschäftigt sich mit Konzepten und Ideen, welche das Verhältnis zwischen Staat und Kirche regulieren. Was ihr außerdem am Herzen liegt, ist auch die Rolle und Grenze zwischen Individuum und Staat.  

Dr Paweł Ukielski - Stv. Direktor Museum des Warschauer Aufstands, Politologe

Hanna Radziejowska – Leiterin des Pilecki-Institus Berlin, Koordinatorin, Kuratorin, Produzentin und Drehbuchautorin von Kultur- und Museumsprojekten. Zusammen mit Jack Fairweather ist sie Kuratorin der Ausstellung am Pilecki-Institut „Der Freiwillige. Witold Pilecki und die Unterwanderung von Auschwitz". Im 2019 wurde sie für die Ausstellung „Häuser aus Glas” durch den Präsidenten von Warschau Rafal Trzaskowski in der Kategorie „Beste Veranstaltung über  Architektur” ausgezeichnet.  


 

“Conspirators. Polish women in the resistance 1939–1945” on the 76th anniversary of the Warsaw Uprising."

The Pilecki Institute in Berlin in cooperation with the Polish-German Cooperation Foundation and the Center for Historical Research of the Polish Academy of Sciences cordially invites you to a special online event dedicated to the role played by Polish women during World War II and the Warsaw Uprising. Through an online debate (in Polish and German) and a screening of Paul Meyer’s film “Konspirantinnen” (in Polish, German and English) we will examine the role of Poland’s female intelligence agents, nurses, liaison officers and soldiers.

The director Paul Meyer managed to ask a whole impressive plethora of the Warsaw Uprising´s participants including Wladyslaw Bartoszewski, female soldiers who represented the "Zośka" and "Parasol" batalions, Alina Janowska and Elżbieta Zawadzka Zo.

At 6 p.m. on 31 July 2020, the Berlin branch of the Pilecki Institute will be hosting an online discussion about Paul Meyer’s film “Konspirantinnen. Polnische Frauen im Widerstand 1939–1945” [“Conspirators. Polish women in the resistance 1939–1945”]. The discussion will be attended by Dr Helena Jędrzejczak (Kultura Liberalna, University of Warsaw), Dr Paweł Ukielski (deputy director of the Warsaw Rising Museum) and Paul Meyer (director, documentary filmmaker), and will be led by Hanna Radziejowska (Pilecki Institute in Berlin).

As with the previous online events organized by the Pilecki Institute, this discussion will be held in Polish and will be translated live into German. The live discussion with an online audience in attendance will take place on Friday 31 July at 6 p.m., however the film “Konspirantinnen” will be made available for two days in three different versions. You can registrate for the debate here: https://zoom.us/webinar/register/WN_gxmlbDzVTrSu5y8Fv8RiDw Those registered for the debate will receive an email with a hyperlink to the discussion and the password required to access the film at the following locations:

Polish: https://vimeo.com/440720935

German: https://vimeo.com/440732672

English: https://vimeo.com/440729924

Polish women in the resistance 1939–1945

This is the second part of an event entitled “A Forgotten Ally? Poles on the fronts of World War II” – a debate on the anniversary of the end of World War II. The idea was formed by Markus Meckel and made a reality by the Pilecki Institute, the Center for Historical Research of the Polish Academy of Sciences and the Polish-German Cooperation Foundation in May 2020.

The anniversary of the outbreak of the Warsaw Uprising is an opportunity to reflect more broadly on the role played by women in the battle for Poland’s freedom and independence in the 20th century. The Second Republic of Poland gave women the full right to vote in as early as October 1918. For a generation which had wrestled independence for their nation, this unprecedented political decision in the context of early 20th-century Europe was a foregone conclusion.

Polish women fought for their country in the underground Polish Socialist Party prior to World War I, in the Polish intelligence, in Piłsudski’s Legions, in military campaigns in 1917–1918, and then in the Polish-Soviet war in 1920. This paradoxical relationship between political rights and participation in the armed effort is a legacy of the political tradition of Antiquity, which stated that the fate of a nation could only be decided by those who fought to defend it. The emancipation of Polish women at the end of the 19th century was closely connected to the fight for an independent Poland, for women’s rights to education and to political and social activity. This fight was part of the dream of a free Poland.

This tradition of the involvement of women in the army as citizens of the Republic of Poland was seen once more in World War II. Women fought in all of Poland’s armies, both in the underground and on all fronts: they were intelligence agents, nurses, liaison officers, soldiers and commanders. They organized secret education, often carried out dangerous subversive actions, and, like the menfolk, were sent to concentration camps, imprisoned, tortured and murdered. After the end of the Warsaw Uprising, Polish women became the first women in history to be recognized as soldiers protected by the Geneva Convention and two oflager were established especially for the female soldiers and officers. The film, directed by Paul Meyer, is an extraordinary historical document containing a record of conversations with extraordinary women from the Polish underground who describe their conspiratorial activities and their struggle in the Warsaw Uprising, as well as their later fates both after the Uprising and after the war.

During the discussion with the guests – director Paul Meyer, Dr Helena Jędrzejczak (Kultura Liberalna) and Dr Paweł Ukielski (deputy director of the Warsaw Rising Museum) – Hanna Radziejowska will ask about the specifics of the female presence in armed combat, if war can have something of a woman in it, about the role of Polish women in the Warsaw Uprising and their fates, and about the particulars of women’s memory and perception of the great evils that were the occupation and the atrocities committed by the Third Reich.

The discussion forms part of the series “A Forgotten Ally? Poles on the fronts of World War II”. The first discussion in the series — which featured Jochen Böhler (University of Jena), Jacek Młynarczyk (Nicolaus Copernicus University in Toruń), Alexandra Richie (Collegium Civitas, Warsaw), and Markus Meckel (former Minister of Foreign Affairs, Berlin) and can be watched here: https://youtu.be/Z-rSGks-fvA — caused the Senate in Berlin to include the word “dziękuję” [“thank you”] in Polish on the Brandenburg Gate in honor of the efforts of the Polish armed forces during World War II.

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