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22.04.1945 – Befreiung des KZ Sachsenhausen

22.04.2021

Heute jährt sich die Befreiung des KZ Sachsenhausen am 22. April 1945 durch polnische und sowjetische Streitkräfte zum 76. Mal.

Das KZ Sachsenhausen bestand seit Sommer 1936. Es wurde vom deutschen Architekten Bernhard Kuiper entworfen. Die symmetrische, dreiecksförmige Anlage sollte die Macht des NS-Staates über die ihm Unterworfenen demonstrieren. 1937 schrieb der Architekt voller Stolz von seinem KZ als das „modernste, schönste und größte Lager dieser Art im Deutschen Reich“. Nachdem Zehntausende Häftlinge durch Hunger, Krankheiten, Erschöpfung, medizinische Versuche, Misshandlungen und in systematischen Vernichtungsaktionen durch Erschießung oder Vergasung zu Tode kamen, verleugnete er 1948 in den sogenannten Entnazifizierungsprozessen jegliche Mitschuld und wurde freigesprochen.

In der Zeit seines Bestehens waren insgesamt bis zu 200.000 Menschen in dem Lager inhaftiert. Anfangs bildeten deutsche Staatsbürger:innen die größte Gruppe unter den Inhaftierten. Dazu zählten rassistisch verfolgte Menschen wie Jüdinnen und Juden sowie Sinti:zze und Rom:nja; politisch Verfolgte; als homosexuell verfolgte Menschen; außerdem sogenannte „Asoziale“ und „Berufsverbrecher“. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs und der deutschen Besatzung in Europa wurden Menschen aus anderen Ländern in das KZ nahe der Reichshauptstadt Berlin verschleppt, vor allem aus Polen und der Sowjetunion.

Bereits vor dem Krieg wurden sogenannte „Sonderfahndungslisten“ angelegt. Sie enthielten die Namen von Personen, die der NS-Ideologie feindlich gesinnt oder aus anderen politischen Gründen zu verfolgen waren. Solche Listen bestanden für zahlreiche Länder Europas. Herauszustellen ist das „Sonderfahndungsbuch Polen“ mit 61.000 Namen von Personen, die nach der Besetzung Polens inhaftiert oder exekutiert werden sollten. Die mithilfe der deutschen Minderheit in Polen erstellte Liste sollte die gesamte politische, künstlerische und geistige Elite Polens umfassen. Im Rahmen der deutschen „Lebensraum“-Politik sollte die polnische Identität ausgelöscht, die als „arisch“ angesehene Bevölkerung germanisiert und die jüdische Bevölkerung eliminiert werden. Gerade die polnische Führungselite sollte, wenn nicht unmittelbar exekutiert, in Konzentrationslager im deutschen Kerngebiet verschleppt werden, um potentiellen Widerstand im Keim zu ersticken.

Im Rahmen der „Sonderaktion Krakau“ wurden am 6. November 1939 183 Personen, mehrheitlich wissenschaftliches Personal der Jagiellonen-Universität Krakau – der zweitältesten Universität Europas – verhaftet. Mit der Einladung zu einem Vortrag wurden sie in einen Hörsaal gelockt. Hier wurde ihnen unmittelbar nach Schließung der Türen ihre Verhaftung mitgeteilt. Vierzehn Personen wurden nach internationalen Protesten freigelassen, die restlichen wurden am 28. November 1939 in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

Auch polnische Geistliche der römisch-katholischen Kirche waren Ziel der deutschen Unterwerfungstaktik im Rahmen der sogenannten „Intelligenzaktion“. Den Nationalsozialisten war bewusst, dass die Kirche eine integrative Funktion in der polnischen Gesellschaft innehatte. 1940 waren über 630 polnische Geistliche, Priester, Kleriker und Ordensleute im KZ Sachsenhausen interniert.

In einer 1941 errichteten „Genickschussanlage“ wurden 13.000 sowjetische Kriegsgefangene – darunter viele jüdische Häftlinge – ermordet. Auch fanden im KZ Sachsenhausen Vergasungen statt. Das Morden hörte bis zuletzt nicht auf. Als 1945 die deutsche Niederlage vorauszusehen war, wurde ursprünglich von Himmler geplant, alle KZ-Häftlinge zu ermorden. Der Plan scheiterte aus technischen Gründen. Man konzentrierte sich stattdessen auf bestimmte Gruppen.

Im „jüdischen Außenlager“ in Lieberose beging die SS im Februar 1945 ein zwei Tage andauerndes Massaker, bei dem 1.342 Juden ermordet wurden. 3.000 weitere Häftlinge, die militärisch ausgebildet waren, als „gefährlich“ oder als „marschunfähig“ eingestuft wurden, wurden exekutiert. Mindestens 13.000 Häftlinge wurden in die Konzentrationslager Mauthausen und Bergen-Belsen verschleppt. Als die Rote Armee und polnische Truppen die Oder überquerten, sollte das Lager „evakuiert“ werden. Am 21. April 1945 wurden die verbliebenen 30.000 Häftlinge zu Todesmärschen in Richtung Ostsee getrieben, bei denen Tausende starben. Knapp 3.000 Menschen wurden zurückgelassen und von den sowjetischen und polnischen Truppen tags darauf befreit. 300 starben noch vor Ort an den Folgen der KZ-Haft.

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